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immer ’ne Extrawurst

… live letzten Samstag. Nach dem Song meinte eine Frau aus dem Publikum „Wie geil ist das denn?“ und gab mir High Five. In der Pause erzählte sie mir, dass sie sehr aktiv in der Kirche ist. Es gibt schon komische Leute.

 

Religiöse Gefühle

Neulich schrieb mir jemand auf meiner Fanpage auf Facebook. Das kommt hin und wieder vor. Meistens sind das Leute, die mich booken wollen. Diesmal allerdings hatte der Urheber der Nachricht ein anderes Anliegen:

Der Bandname war ihm (oder ihr, das weiß ich nicht), wie man so sagt, ein Dorn im Auge.

Der Papst, seine Frau und sein Porsche“.

Er wollte wissen, was ich mir eigentlich bei diesem Namen gedacht hätte.

Die Antwort ist einfach: Nichts.

Eigentlich ist dieser Name keine Erfindung der Band. Er stammt aus einem Zeitungsartikel. Wenn Der Papst, seine Frau und sein Porsche mal richtig berühmt ist, wird es ein Preisausschreiben geben, und wer dann herausfindet, woher der Name stammt, bekommt eine CD. Aber das wird noch eine Weile dauern.

Wir, die Marketingabteilung von Der Papst, seine Frau und sein Porsche, haben in langwierigen, aufreibenden Teamsitzungen, die oft bis tief in die Nacht dauerten, diese Wortkombination als Name gewählt, weil sie neugierig macht und einen hohen Unterscheidungswert hat. Also aus knallhart kalkulierten Vermarktungsinteressen heraus. Da bleiben natürlich manchmal andere Werte auf der Strecke. Zum Beispiel der Respekt vor dem religiösen Empfinden.

Ob ich denn nicht verstehen könnte, „dass man als Katholik genervt ist von den ganzen Papstverhohnepipelungen“, wurden wir gefragt. Ok, das können wir verstehen. Wenn man gewisse Werte und Überzeugungen vertritt, die einem sehr wichtig sind, dann macht es natürlich ein schlechtes Gefühl, wenn andere das als Witzvorlage benutzen. Wir kennen das. Wir sind zum Beispiel zutiefst von der Notwendigkeit überzeugt, jeden Menschen von Anfang an als wichtiges, einzigartiges Wesen wahrzunehmen und seine individuelle Daseinsberechtigung nicht in Frage zu stellen. Ebenso finden wir es wichtig, wenn es zu Gewalttaten kommt, die Perspektive der Opfer geltend zu machen. Nicht zuletzt finden wir es wichtig, das Leben zu lieben und das Tolle, Schöne, Spannende und Interessante darin angemessen zu würdigen. Das sind unsere Überzeugungen, und die könne wir weder logisch herleiten noch naturwissenschaftlich beweisen – sie sind vielmehr das, was Politiker und BWL-Gläubige gerne als „Ideologie“ bezeichnen. Wir könnten sie auch „Religion“ nennen und versuchen, die damit verbundenen Privilegien in Anspruch zu nehmen. Haben wir bisher nicht gemacht, aber man weiß ja nie was kommt.

Leider waren wir mit unseren Überzeugungen seit jeher dem Hohn und dem Spott gewisser Kreise nahezu schutzlos ausgeliefert. Manche Zeitgenossen haben ja eine eigentümliche Freude daran, ihre Mitmenschen mit Nachbildungen antiker Foltergeräte zu konfrontieren, um die eigene Zugehörigkeit zu einer sehr alten, sehr großen und sehr einflussreichen Tradition sichtbar zu machen. Sie erzählen Sachen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Zum Beispiel soll ich mich darüber freuen, dass wegen mir jemand ermordet wurde. Haben die noch alle Tassen im Schrank? Familienväter verschachern ihre eigenen Kinder, was für die Kinder auch gerne mal tödlich endet – aber die Väter sind die Guten. Hauptsache die Story geht weiter. Wer die falschen Fragen stellt, kommt in die Hölle. Und wenn du schon Wein trinkst, dann stell dir wenigstens vor, es wäre Blut.

Blut ist überhaupt ihr Ding, so wie Not, Elend, Jammer undsoweiter. Denn zuallererst bist du ja Scheiße, egal was du tust. Das Leben soll keinen Spaß machen. Du sollst dich für den Himmel qualifizieren. Wenn du Spaß hast, ist das Sünde. Wenn du keinen Spaß hast, hast du immer noch die Erbsünde. Auf jeden Fall musst du traurig sein, denn Gott der Herr will ja deine Tränen abwischen, und was passiert, wenn da gar keine Tränen sind, das willst du lieber nicht ausprobieren.

„Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat“, soll ein gewisser Jesus gesagt haben. Das hat ihn nicht davor bewahrt, von dem, der ihn gesandt hatte (und wenn man den Foltergerätefetischisten glauben darf, war das sein Vater), zum Abschuss freigegeben zu werden. Wobei „Abschuss“ noch eine reichlich schönfärberische Bezeichnung für das ist, was sie dann mit ihm anstellten. Die Geschichte ist eigentlich bekannt. Warum muss ich die hier schon wieder erzählen?

Weil gefordert wird, dass ich mich darüber freue. Wenn ich es nicht fertigbringe, mich über diese Geschichte zu freuen, hat mein Leben keinen Sinn. Dann lebe ich eigentlich gar nicht. Habe ich tatsächlich einmal genauso gesagt bekommen, vor etlichen Jahren, von einer Person, die eine Nachbildung des besagten antiken Foltergeräts um den Hals hängen hatte: „Ich lebe, und du bist tot“. Sie sagte das freundlich. Sie lächelte dabei.

Die meisten Christen, mit denen ich mich unterhalten habe, waren sich völlig darüber im klaren, dass solche Äußerungen die Gefühle anderer Menschen verletzen. Sie fanden das aber ok. Sie waren in etwa der Meinung: „Die Wahrheit ist eben manchmal unangenehm“. Damit war die Sache für sie erledigt. Das mit der Wahrheit ist natürlich Glaubenssache. Damit haben sie aber kein Problem, denn „Glaube“ bedeutet ja: Das, was sie glauben. Nicht was irgendein hergelaufener Waschlappen glaubt, der die Wahrheit nicht vertragen kann. Wer an einen Mann glaubt, der bereit ist, auf Gottes Befehl hin ein Kind abzuschlachten, der glaubt. Wer auf die Idee kommt, dass er selber das Kind sein könnte, der glaubt eben nicht, das ist kein Glaube, das ist Häresie, Einflüsterung des Teufels, moderne Beliebigkeit, modischer Atheismus. Wer glaubt, der glaubt an Abraham. Wer sich vorstellt, in Isaaks Haut zu stecken, der sucht nur einen Vorwand, um weiter Drogen zu nehmen. Wer seine Kindern von Himmel und Hölle erzählt, der glaubt. Wer an das Leben glaubt, das tolle, schöne, spannende, interessante, einmalige Leben, der glaubt nicht. Der kommt in die Hölle. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen, die Wahrheit ist eben manchmal unangenehm. Aber Leute, die tot sind, haben ja sowieso nicht so die Gefühle wie die, die leben.

Aber wehe, ein gotteslästerliches Wort erreicht den Gehörgang! Wie können sie sich empören, wie gekränkt können sie plötzlich sein, die Foltergeräteanbeter, die eben noch verkündet haben: „Ich lebe, und du bist tot“, wie schrecklich können ihre Gefühle verletzt sein, wenn einer von den vermeintlich Toten die Dreistigkeit besitzt, den Ball zurückzugeben.

tl,dr

Nee, sorry. Kommt mir bitte nicht mit Verletzung religiöser Gefühle. Wann hat eure Religion jemals Rücksicht auf die Gefühle der Menschen genommen, die sie mit ihrer Verkündung beglückt? Na also. Wer austeilt, muss auch einstecken können.

PS. In diesem Artikel geht es um die uns am besten bekannte Religion, d.h. das Christentum. Für Leute, die es für gottgefällig halten, Frauen einen Sack über den Kopf zu ziehen, und dann einen Anfall kriegen, wenn mal jemand „Mohammed“ sagt, gilt natürlich das Gleiche.

Wie es wirklich war, vor 3000 Jahren

Es geschah aber eines Tages, dass Gott zu Abraham sagte:

„Abraham!“

„Hier bin ich!“ sagte Abraham, was eigentlich überflüssig war, weil Gott ja sowieso immer weiß, wo sich jeder Mensch gerade befindet. Aber Abraham war ein frommer und gottesfürchtiger Mann, deshalb hielt er es für angemessen, sich Gott zu erkennen zu geben. Weiterlesen